Wie Hermann Binkert, der Gründer des Erfurter Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA-Consulere diese Woche bekannt gab, hat ein nicht unerheblicher Anteil der erwachsenen Deutschen den Wunsch nach Auswanderung.
Die aktuellen Umfrageergebnisse von INSA stimmen dabei mit Meldungen überein, dass im Jahr 2025 eine Rekordanzahl an Deutschen das Land für eine längere Dauer verlassen hat oder gleich für immer ausgewandert ist.
Von der deutschen Gesamtbevölkerung über 18 Jahren plant demnach jeder siebte Befragte (14 Prozent) eine Auswanderung in den kommenden fünf Jahren. Rein rechnerisch hätte das eine Auswanderung von rund acht Millionen zur Folge, vorausgesetzt, die Befragten setzen ihre Auswanderungspläne auch um.
Die Umfrage ergibt jedoch auch: Eine Mehrheit der Deutschen will bleiben. Die Zahl der bleibewilligen Befragten beträgt 68 Prozent, das sind mehr als zwei Drittel. Der Rest äußerte sich nicht zu dieser Frage oder war unentschieden.
Dieses Ergebnis ist allerdings kein Grund zur Entwarnung, denn gerade der im Berufsleben stehende Teil der deutschen Bevölkerung hegt vielfach Auswanderungswünsche, während nur vier Prozent der über 70-Jährigen dies vorhaben (also nur jeder 25. Befragte).
Hingegen hat jeder Vierte der unter 40-Jährigen Auswanderungspläne. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen sind 24 Prozent auswanderungswillig, 57 Prozent hegen solche Absichten nicht. In der Alterspanne zwischen dem 30 und 39 Jahren wollen nur 52 Prozent weiterhin in Deutschland leben, 27 Prozent planen, auszuwandern.
In den mittleren Altersgruppen sinkt dann der Auswanderungswunsch allmählich. Sind es noch 15 Prozent bei den 40- bis 45-Jährigen und zwölf Prozent bei den 50- bis 59-Jährigen, hegen nur noch acht Prozent der im siebten Lebensjahrzehnt befindlichen solche Pläne. Zu den Gründen für den bestehenden Auswanderungswunsch beträchtlicher Teile der Bevölkerung gab INSA nichts bekannt.
Auffallend sind die parteipolitischen Unterschiede bei den Auswanderungstendenzen. Besonders häufig haben Wähler der AfD (19 Prozent) und der Linkspartei (18 Prozent) den Wunsch, das Land dauerhaft zu verlassen. Daraufhin folgen BSW-Wähler mit 15 Prozent und Anhänger der SPD mit 14 Prozent. Anhänger der Union wollen zu 13 Prozent in den kommenden fünf Jahren emigrieren.
Auffallend gering ist der Auswanderungswunsch bei Anhängern der Grünen (zehn Prozent) und der FDP (sieben Prozent), woraus man Rückschlüsse auf die Zufriedenheit dieser Wählergruppen mit den Verhältnissen in Deutschland ziehen könnte. Einen dezidierten Bleibewunsch hegten vor allem Unionswähler (80 Prozent), FDP-Wähler (78 Prozent) und Grünen-Anhänger (77 Prozent), wie eine Grafik der Jungen Freiheit zeigt.
In der Opposition sorgen die Zahlen zur deutschen Emigration für Beunruhigung. So sprach die Bundesvereinigung der Freien Wähler von einem "drohenden Brain-Drain", der gestoppt werden müsse, ansonsten drohe Deutschland hochqualifizierte Fachkräfte zu verlieren, die dringend gebraucht würden. Die ansteigenden Auswanderungszahlen von 2025 seien ein deutliches Warnsignal.
Der Brandenburgische AfD-Landtagsabgeordnete Fabian Jank beklagte auf X angesichts der INSA-Ergebnisse: "Während die Politik euch erzählt, dass wir Zuwanderung brauchen, wandern unsere Besten aus." Ein Land, das seiner jungen Generation keine Perspektive mehr biete, werde irgendwann genau die Menschen verlieren, die seine Zukunft tragen sollen.
Ähnlich wie Jank appellierte auch der AfD-Funktionär Andreas M. Höfner, der im Landesvorstand Bayern der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland sitzt, an den Durchhaltewillen der Unzufriedenen: "Junger Deutscher – Gib nicht auf! In dir fließt auch das Blut von Helden, Kreuzrittern und Philosophen. Kämpfe mit uns für deine Zukunft. 'Aufgeben' ist keine deutsche Tugend."
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