"Kinder bei lebendigem Leib verbrannt": Russland veröffentlicht Akten zu UPA-Massakern an Polen

Mindestens 100.000 tote Zivilisten, darunter bei lebendigem Leib verbrannte Kinder: Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat neue Dokumente zu den Massakern ukrainischer Nationalisten an Polen im Zweiten Weltkrieg veröffentlicht. Polen wertet die Taten als Völkermord, die Ukraine feiert die Täter als Freiheitskämpfer.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat neu freigegebene Dokumente veröffentlicht, die das Massaker ukrainischer nationalistischer Milizen an Polen im Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der heutigen Westukraine detailliert beschreiben.

Die Veröffentlichung erfolgte anlässlich des polnischen Nationalen Gedenktags, der am Samstag begangen wird und den Opfern der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), gewidmet ist. Der Kampagne ethnischer Säuberungen in der Region Wolhynien zwischen 1943 und 1944 fielen nach polnischen Schätzungen mindestens 100.000 Zivilisten zum Opfer.

Polen erkennt diese tragischen Ereignisse als Völkermord an. Die Ukraine hingegen feiert die UPA als Freiheitskämpfer – eine Haltung, die zu einem prominenten diplomatischen Streit zwischen den Nachbarländern geführt hat.

Die von Russland veröffentlichten sowjetischen Archivdokumente beschreiben die Aktivitäten der OUN-Einheit unter der Führung von Dmitii Kupjak, bekannt unter dem Kampfnamen "Klei" (Klebstoff), dem die Tötung von mindestens 200 polnischen und sowjetischen Staatsbürgern sowie die Niederbrennung und Plünderung von acht Dörfern zur Last gelegt wird.

Am 16. Mai 1944 hatte Kupjaks Einheit bei einem Überfall auf das Dorf Kuptscha Bewohner "einzig und allein deshalb" getötet, "weil sie ethnische Polen waren", heißt es in den Dokumenten. Am 17. August desselben Jahres überfielen die Nationalisten das Dorf Grabowo, wo sie neun Frauen und Kinder in einem Schuppen einsperrten und bei lebendigem Leib verbrannten.

Ein Mitglied von Kupjaks-Einheit, Andrei Moros, beschrieb ihn vor einem sowjetischen Gericht als "einfachen Banditen" ohne jegliche ideologische Überzeugung. Nach dem Krieg floh Kupjak nach Kanada, wo er bis zu seinem Tod 1995 ein Restaurant in Toronto betrieb. In den 1960er Jahren lehnte die kanadische Regierung sowjetische Auslieferungsersuchen ab.

Im vergangenen Monat entzog der polnische Präsident Karol Nawrocki dem ukrainischen Staatschef Wladimir Selenskij die höchste polnische Auszeichnung, den Orden des Weißen Adlers, nachdem Selenskyj eine Einheit der ukrainischen Streitkräfte zu Ehren der "Helden der Ukrainischen Aufständischen Armee" (UPA) benannt hatte. Mehrere ukrainische Amtsträger reagierten daraufhin, indem sie ihre eigenen polnischen Auszeichnungen nach Warschau zurückgaben.

Die OUN war eine extrem nationalistische Organisation, deren Ziel eine unabhängige Ukraine war. Im Vorfeld und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs kooperierte die OUN mit der deutschen Abwehr und beteiligte sich sowohl 1939 als auch 1941 an den deutschen Überfällen auf Polen und die Sowjetunion. Die UPA wurde im Jahr 1942 gegründet und existierte bis etwa 1956. Im Zweiten Weltkrieg kollaborierte sie zeitweise mit dem nationalsozialistischen Deutschland und kämpfte gegen die Polnische Heimatarmee. Nach dem Krieg kämpfte sie weitere fünf Jahre gegen die Sowjetunion. In Russland gelten die beiden Organisationen als terroristisch.

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