Neue Warnsignale für die Weltwirtschaft: Japans Anleiherendite erreicht drei Prozent

Japans Anleiherenditen steigen auf den höchsten Stand seit 30 Jahren. Vor dem Hintergrund der Eskalation im Nahostkrieg wächst der Druck auf die Bank of Japan, die Zinsen anzuheben und den schwachen Yen zu stützen.

Die Renditen japanischer Benchmark-Staatsanleihen haben am Dienstag den höchsten Stand seit 30 Jahren erreicht. Damit verschärfte sich der weltweite Ausverkauf von Staatsanleihen, da die Erwartungen zunehmen, dass die Notenbanken das Tempo ihrer Zinserhöhungen beschleunigen werden.

Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen stieg auf drei Prozent – den höchsten Stand seit 1996. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen legte um 0,03 Prozentpunkte auf 4,78 Prozent zu, während die Rendite 30-jähriger US-Anleihen 5,27 Prozent erreichte. Anleiherenditen bewegen sich umgekehrt zu den Anleihekursen.

Die Entwicklung erfolgte vor dem Hintergrund einer erneuten Eskalation des Konflikts im Nahen Osten und wachsender Erwartungen, dass die Notenbanken die Zinsen anheben werden, um die durch höhere Energiepreise angeheizte Inflation zu bekämpfen.

"Der Markt preist eine höhere Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen ein", sagte Andrew Pease, Investmentchef für den asiatisch-pazifischen Raum bei Russell Investments, der Financial Times.

US-Finanzminister Scott Bessent traf am Montag am Rande eines G20-Treffens in den USA sowohl die japanische Finanzministerin Satsuki Katayama als auch den Gouverneur der japanischen Zentralbank Kazuo Ueda. Bessent sagte, Japans nächster Schritt sollte eine Anhebung der Leitzinsen sein, wie der japanische Staatssender NHK berichtete.

In einem anschließenden Interview mit CNBC erklärte Bessent: "Ich verfüge über Informationen, die der Markt nicht hat, und ich bin überzeugt, dass die japanische Regierung und die Bank of Japan Maßnahmen ergreifen werden, die zu einem stärkeren Yen führen."

Bereits vor Bessents Äußerungen hatte der Markt mit hoher Wahrscheinlichkeit damit gerechnet, dass die Bank of Japan auf ihrer Sitzung am 18. September die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent anheben wird.

Die Ausgabenpläne von Premierministerin Sanae Takaichi, darunter die umstrittene Senkung der Verbrauchsteuer, haben die Sorgen über Japans Haushaltslage verstärkt. Das japanische Verteidigungsministerium hat für das kommende Haushaltsjahr ein Rekordbudget beantragt, während Takaichis zentrales Konjunkturprogramm umfangreiche staatliche Ausgaben vorsieht. Diese Sorgen sowie anhaltend hohe Ölpreise haben den Druck auf den Yen verstärkt und zu Wetten auf steigende Anleiherenditen geführt.

Das Treffen zwischen Bessent und seiner japanischen Amtskollegin am Rande des G20-Treffens der Finanzminister in North Carolina befasste sich deshalb mit der Lage des Yen. Die USA hatten die Schwäche der japanischen Währung als möglichen Grund zur Sorge bezeichnet. Japanische und US-amerikanische Behörden intervenierten im Juli und August gemeinsam am Devisenmarkt – in einer beispiellosen Aktion zur Stützung des schwachen Yen. Allerdings sind inzwischen mehr als die Hälfte der Kursgewinne der japanischen Währung wieder verloren gegangen.

Japan gab umgerechnet 96,4 Milliarden Dollar aus, um den Yen zu stützen. Dazu verkaufte die japanische Regierung Dollar und kaufte dafür Yen. Dadurch sollte die Nachfrage nach der japanischen Währung steigen und ihr Kurs gestützt werden. Die USA intervenierten ebenfalls, allerdings mit einem geringeren und nicht veröffentlichten Betrag.

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