Neben eines Mangels an Patriot-Abfangraketen hat die ukrainische Luftverteidigung nun eine weitere Schwachstelle: Bei der Abwehr der russischen Jet-Drohnen setzt Kiew auf F-16-Kampfflugzeuge. Die Ukraine sei jedoch bei der Instandhaltung ihrer Kampfjets auf westliche Hilfe angewiesen, schrieb die US-Zeitung The Wall Street Journal (WSJ). Nach Angaben des Blattes sei derzeit der Großteil der ukrainischen F-16-Flotte aufgrund von Verzögerungen bei der Wartung nicht einsatzbereit.
Für die Gewährleistung der Wartung der ukrainischen F-16-Kampfjets habe Washington einen Vertrag mit dem belgischen Unternehmen Sabena Aerospace Engineering im Wert von bis zu rund 235,5 Millionen US-Dollar geschossen, berichtete die Zeitung weiter.
Nach 300 Flugstunden sei bei diesen Jets eine technische Prüfung erforderlich, um Triebwerk, Avionik, Hydraulik, Kraftstoffleitungen und andere Systeme in betriebsfähigem Zustand zu halten. Während eine solche Inspektion in den USA üblicherweise zwei bis sechs Wochen in Anspruch nehme, "dauert sie in Belgien bis zu 40 Wochen", sagte der pensionierte Konteradmiral der US-Marine Mark Montgomery der WSJ-Redaktion.
Unter Berufung auf eine andere westliche Quelle berichtete das Blatt weiter, dass sich mehr als die Hälfte der ukrainischen F-16-Flotte derzeit in der Wartung befinde. Angesichts des aktuellen Tempos von Einsatz und Instandhaltung werde Kiew bis Ende des Jahres die noch im Einsatz verbleibenden Flugmaschinen aufgebraucht haben, so die Quelle.
Im Kampfeinsatz genutzte Kampfflugzeuge erforderten einen höheren Wartungsaufwand als Jets, die in Friedenszeiten eingesetzt würden, sagte David Deptula, ein pensionierter Generalleutnant der US-Luftwaffe, in einem Gespräch mit dem Blatt. Zudem könne ein Mangel an bestimmten Bauteilen zu Verzögerungen führen, fügte er hinzu. "Aber unabhängig von der Ursache handelt es sich um ein Versagen bei der Instandhaltung, das sich zu einer Krise der Luftverteidigung ausweitet", betonte Deptula.
Am Dienstag gab der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij bekannt, dass Belgien Kiew bis Jahresende drei F-16-Kampfflugzeuge übergeben werde. "Es gibt eine wichtige Vereinbarung mit Belgien über die Lieferung dreier F-16-Kampfjets bis Ende dieses Jahres", schrieb er auf X. "Wir werden darauf hinarbeiten, diese Flugzeuge im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens zu erhalten", teilte Selenskij mit und fügte hinzu, dass die Ukraine bereits "dringende Lieferungen" von F-16-Munition unter anderem aus Belgien und Spanien erhalten habe.
Um russischen Drohnen mit Düsenantrieb effektiv entgegenzuwirken, bemühe sich die Ukraine nun um die Beschaffung Zehntausender 20-Millimeter-Geschosse für F-16-Kampfjets. Dies teilte Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen mit. Wie es heißt, führt Kiew Gespräche mit mehreren europäischen Staaten und Herstellern. Im Gegensatz zu Patriot-Raketen sei die Munition für die F-16 weltweit in großen Mengen verfügbar, merkte die Nachrichtenagentur an.
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