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Angriff auf Stromnetz und Logistik der Ukraine: Wieder keine westlichen Aufklärungsdaten

Russlands Streitkräfte haben während der Nacht auf den 14. Oktober militärisch relevante Ziele unter anderem in den Städten Kiew und Charkow sowie in den gleichnamigen Gebieten und in Chmelnizki angegriffen. Erneut beklagt Kiew, keine Frühwarndaten aus dem Westen für ihre Luft- und Raketenabwehr bekommen zu haben.
Angriff auf Stromnetz und Logistik der Ukraine: Wieder keine westlichen Aufklärungsdaten© Soziale Medien

In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 2026 hat eine Serie von Explosionen Kiew erschüttert. Russlands Verteidigungsministerium meldete hierzu auf seinem Telegram-Kanal zunächst recht knapp:

"In der vergangenen Nacht führten die Streitkräfte der Russischen Föderation einen massiven Schlag mit bodengestützten Präzisionswaffen und Langstrecken-Kampfdrohnen durch.

Bei dem Angriff wurden Einrichtungen der Kommunikations- und Energieinfrastruktur in Kiew sowie in den Gebieten Kiew und Charkow getroffen, die für den militärisch-industriellen Komplex und die Streitkräfte der Ukraine genutzt werden."

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, während des Angriffs der russischen Armee mit ballistischen Raketen sei am Morgen die Energieinfrastruktur von Stadt und Gebiet Kiew getroffen worden.

Ukrainische Beobachter berichten auf ihren Telegram-Kanälen, dass alle Heizkraftwerke (HKW) Kiews sowie Energieanlagen im Gebiet Kiew – darunter das Wärmekraftwerk Tripolje und die Umspannwerke "Kiewskaja" und "Nowokiewskaja" – Ziel der Angriffe waren. Auch das HKW-4 wird als eines der angegriffenen Objekte genannt – dies bestätigte der Präsident der Ukraine, Wladimir Selenskij, selbst.

Besagten Kanälen zufolge sollen zwei ballistische Raketen der Typenreihe Iskander-M, zwölf ballistische Raketen des Typs RM-48U sowie vier Schiffsabwehr-Marschflugkörper Zirkon oder Onyx-M (diese haben von Haus aus eine Option des Angriffs gegen Landziele) auf Kiew abgefeuert worden sein. Mit weiteren sechs Zirkon-Raketen sollen Ziele in der Gegend um Naliwajkowka im Landkreis Butscha des Gebiets Kiew angegriffen worden sein, vier weitere galten Zielen in der Gegend um Tripolje.

Neben Kiew gerieten auch die Stadt und das Gebiet Charkow im Osten der Ukraine ins Visier. Dort wurden folgende Ziele angegriffen: das Wärmekraftwerk (WKW) Smejew bei der Stadt Sloboschanskoje im Landkreis Tschugujew; das Heizkraftwerk (HKW) Nr. 5; mehrere weitere, kleinere Anlagen.

Kiew liegt nach den Einschlägen im Rauch. Notabschaltungen der Stromversorgung erfolgten dort in den Stadtbezirken Darnizki, Dneprowski, Petschorski und Solomenski sowie in Teilen des Bezirks Golossejewski der Hauptstadt, so der ukrainische Stromnetzbetreiber DTEK. Infolge der Angriffe wurde der Betrieb des elektrischen Nahverkehrs in mehreren Bezirken Kiews sowie der Züge des Kiew City Express eingestellt, wie die zuständigen Behörden warnen.

Auch im Gebiet Chmelnizki im Westen der Ukraine fanden Russlands Langstreckenlenkwaffen ein Ziel: Dort sei das letzte große Logistikterminal der Einzelhandels-Großkette Epizentrum angegriffen und vollständig zerstört worden. Das Unternehmen beklagt den Verlust von etwa 85 Prozent aller dort befindlichen Güter. Ukrainische zivile Logistik-Großbetriebe wurden bereits in der Vergangenheit oft legitime Ziele derartiger Angriffe Russlands, da sie im Dienst des ukrainischen Militärs regelmäßig Frachten befördern, die eindeutig dem Bereich der Rüstungsgüter zuzurechnen sind – von Munition bis zu Panzerfahrzeugen, wovon Bilder zeugen, die seinerzeit in den sozialen Medien kursierten.

Berichten ukrainischer Medien zufolge ereigneten sich die ersten Explosionen dieses Angriffs noch vor der Auslösung des Luftalarms. Die Starts ballistischer Raketen seien im Vorfeld nicht registriert worden; die Raketen wurden erst im Anflug auf die Hauptstadt von den Radaren diensthabender ukrainischer Luft- und Raketenabwehreinheiten entdeckt, heißt es. Selenskij selbst teilte mit, die ukrainische Seite habe erneut keine Warnung ihrer westlichen Partner vor dem Start ballistischer Raketen erhalten.

Das Fehlen entsprechender Aufklärungsdaten wurde auch von Selenskijs Berater Dmitri Litwin bestätigt. Er präzisierte, dass keine Warnung über jene Kanäle eingegangen sei, über die derartige Informationen zuvor übermittelt worden waren. Das ukrainische Militär und die Geheimdienste untersuchen die Umstände des Vorfalls.

Schließlich teilten auch die ukrainischen Luftstreitkräfte mit, dass es das zweite Mal in Folge war, dass aus dem Westen keine Warnungen vor Raketenstarts von russischem Territorium eingegangen seien. Später erörterte Selenskij den Vorfall mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney.

Im Gespräch bekräftigte Selenskij erneut Kiews Unterstützung für einen Stopp der Angriffe auf die Energieinfrastruktur – und warf Russland vor, die Attacken auf ukrainische Energieanlagen fortzusetzen. Er forderte Washington, das den Angaben des US-Präsidenten zufolge die inoffiziell am Freitag von beiden Seiten verhängte Waffenruhe im Hinblick auf Energieanlagen vermittelt hatte, auf, die Vorgänge zur Kenntnis zu nehmen.

Anonym bleiben wollende Beamte des Weißen Hauses hatten bereits im Vorfeld präzisiert, dass die Waffenruhe, wie Donald Trump sie sich vorstelle, eben nicht alle Anlagen der groß zu fassenden Energiebranche betreffe. Vielmehr gelte sie auf beiden Seiten nur für die Erdölraffinerien und Ähnliches.

Am Vortag hatte Selenskij angeprangert, dass der Westen die Ukraine nicht vor dem Angriff Russlands auf Kiew am Montagabend gewarnt habe. Zuvor hatte zudem die Zeitung Politico berichtet, dass Trump Kiew die Aufklärungsdaten und den Internetzugang über Satelliten des US-Dienstleisters Starlink entziehen könnte. Später erklärte der US-Präsident jedoch, die USA hätten die Weitergabe von Aufklärungsdaten an die Ukraine nicht eingestellt. Weitere offizielle Quellen sowohl in der Ukraine als auch in den USA bestritten ebenfalls, dass der Fluss von Aufklärungsdaten von amerikanischer Seite unterbrochen worden sei.

Speziell zu Starlink liegt jedoch eine Erklärung von Sergei Sternénko vor, einem ehemaligen Berater des ukrainischen Verteidigungsministers. Er behauptet, dass in der Nacht auf den 14. Oktober die Funktionalität von Starlink-Terminals in der gesamten Ukraine eingeschränkt gewesen sei. Dies habe eine ganze Reihe "wichtiger Missionen" vereitelt. Sergei "Flash" Beskrestnow, ein aktueller Berater des ukrainischen Präsidenten, bestätigte diese Angaben.

Westliche Medien hatten zuvor berichtet, Vertreter Trumps hätten von Kiew gefordert, die Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen, von denen Trump sich eine Entlastung im Hinblick auf Engpässe in der Versorgung mit Dieseltreibstoff auf dem heimischen US-Markt verspreche. Dabei hätten besagte Vertreter angedeutet, dass die USA die Weitergabe von Aufklärungsdaten stoppen könnten. Selenskij kritisierte diesen Vorschlag. Gleichwohl wurden seit Freitag keine Angriffe mehr auf russische Ölraffinerien verübt (Angriffe auf andere Ziele in Russlands Landesinnerem setzte das Kiewer Regime jedoch das ganze Wochenende über und bis zum Redaktionszeitpunkt dieser Nachricht fort). Russland seinerseits hatte bis heute ebenfalls seine Angriffe auf Objekte des Stromnetzes und der Stromerzeugung der Ukraine kurzfristig ausgesetzt, auch wenn es durch die (dazu noch inoffizielle) "Energie-Waffenruhe" nicht dazu verpflichtet war.

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