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Gipfel-Treffen: Putin zeigt Afrika neue Perspektiven souveräner Entwicklung auf

Afrika tritt immer selbstbewusster als eigenständiges Zentrum der Weltpolitik auf, und Russland will seine Beziehungen zu diesem Kontinent festigen. Die Teilnahme von Delegationen aus 48 Staaten am dritten Russland-Afrika-Gipfel zeigt, wie groß das Interesse des Kontinents am Dialog ist. Wie unterstützt Russland die afrikanischen Staaten dabei, ihre wirtschaftliche Souveränität zu stärken, und welche Möglichkeiten eröffnet dies Moskau selbst?
Gipfel-Treffen: Putin zeigt Afrika neue Perspektiven souveräner Entwicklung auf© Maxim Bogodwid/RIA Nowosti

Von Jewgeni Krutikow und Oleg Issaitschenko

In Moskau findet derzeit der dritte Russland-Afrika-Gipfel statt. Delegationen aus 48 der 54 Staaten des Kontinents sind in der russischen Hauptstadt eingetroffen, wobei 22 Länder auf Ebene der Staatsoberhäupter vertreten sind. Die Teilnehmer erörtern ein breites Spektrum an Themen – von Handel und Energie bis hin zu Bildung und Sicherheit.

Dieses Ausmaß der Vertretung spiegelt die wachsende Bedeutung Afrikas in der Weltpolitik wider. Wie der russische Präsident Wladimir Putin auf der Plenarsitzung des Wirtschafts- und Humanitärforums betonte, tritt der Kontinent immer aktiver als einer der Pole der globalen Wirtschaft und Politik auf. In seiner Rede stellte der Staatschef fest: "Der Kontinent erlebt ein neues Erwachen, seine Souveränität festigt sich, sein Einfluss und sein Ansehen auf der Weltbühne nehmen zu."

Die afrikanischen Länder sind bestrebt, ihren Spielraum für eigenständige Entscheidungen zu erweitern und ihre Außenbeziehungen zu diversifizieren. Für sie bedeutet dies die Möglichkeit, ihre Partner selbst zu wählen, Investitionen anzuziehen und größeren Einfluss auf internationale Prozesse zu gewinnen. Zu diesen Partnern gehören naturgemäß auch Russland und China.

Dieser Prozess vollzieht sich vor dem Hintergrund der Entstehung einer multipolaren Welt, der sich laut Putin Staaten entgegenstellen, die es gewohnt sind, "in den Kategorien ihrer kolonialen Vergangenheit zu denken und sich auf märchenhafte Weise – ja, geradezu märchenhaft – auf Kosten anderer zu bereichern". "Dabei kommen alle möglichen, selbst die schmutzigsten und zynischsten Mittel zum Einsatz, darunter Zollkriege, illegitime Sanktionen, wirtschaftliches Diktat, Erpressung und Einmischung in innere Angelegenheiten", präzisierte der Präsident.

Auch das historische Erbe spielt in den Beziehungen Russlands zu den afrikanischen Staaten eine wichtige Rolle. Die Sowjetunion unterstützte zahlreiche Länder des Kontinents in ihrem Kampf um die Unabhängigkeit und half ihnen beim Aufbau von Industrie, Infrastruktur und Bildungswesen. Moskau ist bestrebt, auf diesen Erfahrungen aufzubauen und bietet eine Zusammenarbeit an, die sich nicht auf den Handel beschränkt, sondern auch die Entwicklung eigener Potenziale der afrikanischen Staaten umfasst.

Dabei stellt Afrika keinen einheitlichen politischen Block dar. Die Länder des Kontinents unterscheiden sich hinsichtlich ihres wirtschaftlichen Potenzials, ihrer innenpolitischen Lage und ihrer außenpolitischen Interessen. Daher bedeutet die Stärkung ihrer internationalen Rolle nicht, dass sie in allen Fragen eine einheitliche Position vertreten werden.

Dennoch schafft das Streben nach größerer Eigenständigkeit die Grundlage für eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit Russland. Moskau unterstützt die Stärkung der Rolle der afrikanischen Staaten in internationalen Institutionen und setzt sich für eine Reform der globalen Governance ein, darunter für eine umfassendere Vertretung des Kontinents bei wichtigen Entscheidungen.

Vom Handel bis zur Energiewirtschaft

Einer der wichtigsten Bereiche der russisch-afrikanischen Zusammenarbeit ist die Wirtschaft. Nach Angaben Putins überstieg das Handelsvolumen zwischen Russland und Afrika im vergangenen Jahr 27 Milliarden US-Dollar gegenüber 18 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022.

Dabei will Moskau den gegenseitigen Handel weiter ausbauen. Der Präsident gab das Ziel vor, das Handelsvolumen in naher Zukunft mindestens zu verdoppeln und damit die Schwelle von 50 Milliarden US-Dollar zu überschreiten. Eine bedeutende Rolle in den Wirtschaftsbeziehungen spielt die Landwirtschaft. Russland liefert Getreide und Düngemittel auf den afrikanischen Markt und trägt damit zur Ernährungssicherheit von mehr als 40 Staaten des Kontinents bei.

"In den ersten neun Monaten dieses Jahres haben wir 13 Millionen Tonnen Agrarprodukte nach Afrika geliefert", berichtete Putin. Zugleich belaufen sich Russlands Importe landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus afrikanischen Ländern auf rund vier Milliarden US-Dollar jährlich. Nach Angaben des Präsidenten entspricht dies etwa acht Prozent des russischen Importbedarfs bei solchen Produkten, und dieser Anteil soll weiter steigen.

Ein weiterer vielversprechender Bereich ist die Förderung und Verarbeitung von Bodenschätzen. Russland ist an der Entwicklung von Projekten interessiert, bei denen es nicht allein um den Export von Rohstoffen geht, sondern auch darum, Produktionskapazitäten direkt in den afrikanischen Ländern aufzubauen. Ein solcher Ansatz trägt zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Erweiterung der Steuerbasis bei und bietet den Staaten des Kontinents zudem die Möglichkeit, einen größeren Teil der Wertschöpfung aus der Nutzung ihrer eigenen natürlichen Ressourcen selbst zu erwirtschaften.

Eine wichtige Rolle in der Zusammenarbeit spielt die Energiewirtschaft. Zu den Großprojekten zählen der Bau des Kernkraftwerks El Dabaa in Ägypten und die Entwicklung der Kleinwasserkraft im Kongo. Moskau ist zudem bereit, sich an der Modernisierung bestehender Energieanlagen und am Bau neuer Anlagen zu beteiligen.

Wie Putin mitteilte, ist das russische Energieunternehmen RusHydro bereit, die afrikanischen Partner bei der Planung neuer Anlagen und der Modernisierung von Kraftwerken zu unterstützen. "Unser gemeinsames Interesse besteht darin, den Afrikanern den Zugang zu kostengünstigen, nachhaltigen und umweltfreundlichen Energiequellen zu erleichtern und die Entwicklung der heimischen Energiemärkte in Afrika zu unterstützen, auch in Bereichen, in denen Russland über einzigartige Technologien verfügt. Und diese Arbeit läuft bereits. Gemeinsam werden mehr als 30 vielversprechende Energieprojekte in 16 afrikanischen Ländern umgesetzt", erklärte der Präsident.

Damit umfasst die wirtschaftliche Partnerschaft nicht nur Warenlieferungen, sondern auch langfristige Projekte in der Industrie und im Energiesektor. Für die afrikanischen Staaten sind sie im Hinblick auf den Ausbau der Infrastruktur und der Produktionskapazitäten von Bedeutung, und Russland bieten sie die Möglichkeit, seine Handelsbeziehungen auszubauen und die Zusammenarbeit mit einer der vielversprechenden Regionen der Weltwirtschaft zu stärken.

Bildung und Fachkräfteausbildung

Seit 2020 stieg die Zahl der afrikanischen Studierenden in Russland auf das Eineinhalbfache, während sich die Zahl der russischen Stipendien für Staatsangehörige afrikanischer Länder fast verdreifachte. Auch das bilaterale Universitätsnetzwerk, das mehr als 70 Einrichtungen aus 17 afrikanischen Staaten vereint, entwickelt sich weiter.

Darüber hinaus fördert Russland die Eröffnung von Zweigstellen russischer Hochschulen und erweitert die Möglichkeiten zum Erlernen der russischen Sprache. "In 29 afrikanischen Ländern gibt es bereits 58 russische Zentren für offene Bildung, in denen Russisch und grundlegende Fachdisziplinen unterrichtet werden", erklärte Putin.

Die Ausbildung von Fachkräften ist nicht nur für den Bildungsaustausch von Bedeutung. Sie schafft zugleich die personelle Grundlage für gemeinsame Projekte in Industrie, Energiewirtschaft, Landwirtschaft und anderen Branchen. Langfristig ermöglicht dies den afrikanischen Partnern, eigene Kompetenzen aufzubauen, während Russland seine fachlichen und humanitären Beziehungen zu den Staaten des Kontinents festigen kann.

Sicherheit und militärisch-technische Zusammenarbeit

Russland arbeitet mit afrikanischen Staaten bei der Ausbildung von Militärangehörigen und Fachkräften sowie bei der Bekämpfung bewaffneter Gruppierungen zusammen. Die russische Militärpräsenz auf dem Kontinent, darunter die Tätigkeit des Afrikakorps des russischen Verteidigungsministeriums, entwickelt sich im Rahmen der Zusammenarbeit mit Partnern, die an einer Stärkung ihrer eigenen Streitkräfte interessiert sind.

Die Ausbildung einheimischer Militärangehöriger erfolgt unter anderem in der Zentralafrikanischen Republik, in Mali, Niger, Guinea-Bissau und Äquatorialguinea. In einzelnen Ländern beteiligen sich russische Spezialisten zudem an Operationen gegen extremistische und dschihadistische Gruppierungen.

Das Interesse der afrikanischen Staaten an der Stärkung ihrer eigenen Handlungsfähigkeit erfordert zugleich die Entwicklung nationaler Sicherheitskapazitäten. Daher bleiben die Ausbildung einheimischer Fachkräfte und die größere Eigenständigkeit der Streitkräfte wichtige Bestandteile dieser Zusammenarbeit.

Afrika ist zudem ein bedeutender Absatzmarkt für Rüstungsgüter, darunter auch für russische. Die militärisch-technische Zusammenarbeit umfasst auch weiterreichende Fragen der Logistik und der langfristigen Präsenz. So werden unter anderem Perspektiven für die Errichtung russischer Militär- und Logistikanlagen in der Region erörtert, einschließlich des möglichen Aufbaus entsprechender Infrastruktur im Sudan. Konkrete Pläne in diesem Bereich müssen jedoch gesondert betrachtet werden, wobei die Position der jeweiligen Staaten und die bereits getroffenen Vereinbarungen zu berücksichtigen sind.

Partnerschaft mit langfristigen Perspektiven

Die Bedeutung der russisch-afrikanischen Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf einzelne Handelsverträge oder Infrastrukturprojekte. Sie entwickelt sich vor dem Hintergrund des Bestrebens der Staaten des afrikanischen Kontinents, ihre politische Eigenständigkeit zu stärken und den Kreis ihrer internationalen Partner zu erweitern.

Wadim Kosjulin, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Diplomatischen Akademie des MGIMO des russischen Außenministeriums, erklärt:

"In die russische Hauptstadt sind Vertreter nahezu des gesamten Kontinents eingetroffen Das ist ein beeindruckendes Ergebnis, dank dem das Forum als eines der Instrumente betrachtet werden kann, die zur Zusammenführung der Staaten der Region beitragen."

Seinen Worten zufolge verfügt Afrika über ein beträchtliches wirtschaftliches Potenzial, nicht zuletzt dank seiner jungen und schnell wachsenden Bevölkerung. Russland wiederum kann seinen Partnern ein breites Spektrum an Kooperationsmöglichkeiten anbieten – von Landwirtschaft und Kernenergie bis hin zu Hochtechnologien und Cybersicherheit.

Der Experte merkt an: "Ein eigener Schwerpunkt liegt auf dem Schutz der Informationssouveränität junger Staaten, die nicht in der Lage sind, ihre Big Data selbst zu sichern. Hier stellt sich Moskau den neokolonialen Ansätzen des Westens entgegen."

Dementsprechend hat sich das Forum bereits als eine besonders wichtige Plattform für den Dialog etabliert. Kosjulin fasst zusammen: "Die Gäste konnten sich mit eigenen Augen davon überzeugen, wie sich unser Land unter den Sanktionen entwickelt, sich über Studienmöglichkeiten an russischen Hochschulen informieren, neue Kontakte knüpfen und Vereinbarungen unterzeichnen. Wladimir Putin vereint dank seines Ansehens die Länder Afrikas um Russland, und eine solche Zusammenarbeit hat eine große Zukunft."

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 28. Oktober 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.

Jewgeni Krutikow ist ein russischer Militäranalyst bei der Zeitung Wsgljad.

Oleg Issaitschenko ist ein Analyst bei der Zeitung Wsgljad.

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